Vogt Text

vogtext sw 2Aus dem Alltag eines Lektors

Im VogtBlog berichte ich in loser Folge über Themen, die mich bei der täglichen Arbeit beschäftigen. Sämtliche Informationen sind zur freien Verfügung.
Bei einer Weiterverwendung bitte Quelle angeben: www.vogt-text.ch/vogtblog

Vielen Dank und viel Spass bei der Lektüre!

 

Der/die Cervelat/Servela(t) – wie man die Schweizer Nationalwurst schreibt

Herr und Frau Schweizer essen sie/ihn gerne und oft, unabhängig von der Schreibweise. Auch mir ist beim «Zvieri» wurst, ob ich eine(n) Servela(t) oder Cervelat verdrücke. Wenn ich anschliessend gestärkt einen Text über Würste lektoriere, spielen Geschlecht und Schreibweise der Schweizer Nationalwurst aber eine Rolle.

Als ich mich für diesen Blogbeitrag entschied, hätte ich nicht gedacht, dass Würste orthografisch kompliziert sind, aber beginnen wir von vorne:

Cervelat

Die Zervelatwurst

Im Duden ist die Zervelatwurst oder Servelatwurst zu finden. Das ist eine Dauerwurst, also eine Rohwurst, die haltbar gemacht wurde, beispielsweise durch Lufttrocknung oder Räuchern. Der Duden empfiehlt die Schreibweise mit Z: Zervelatwurst. Daraus könnte man ableiten, dass unsere Nationalwurst Zervelat heisst, was jedem Schweizer in den Augen wehtut. Das Wort «Zervelat» (ohne «…wurst») findet man dann auch nicht im Duden.

Von der Servela über die Servelat zur Cervelat

Sucht man im Duden nach der Nebenform «Servelatwurst», stösst man auf das Hauptstichwort «Servela» (ohne t) und den Zusatzhinweis «schweizerisch neben Cervelat». Dies bedeutet, dass «Servela» eine korrekte Schreibweise neben der Hauptform «Cervelat» (mit t) ist, die im Duden ebenfalls aufgeführt wird.

Interessant ist aber, dass «Servela» (ohne t) im Duden Schweizerhochdeutsch nicht zu finden ist. Dort wird «Servelat» (mit t) aufgeführt und auf die Hauptform «Cervelat» verwiesen.

Der oder die Cervelat/Servela(t)

Beim Geschlecht der Schweizer Nationalwurst zeigt sich kein einheitliches Bild. Während der neueste Duden (27. Aufl.) beim «Cervelat» nur die männliche Variante aufführt, findet man im Duden Schweizerhochdeutsch auch «die Cervelat». Ebenso ist das Deutsche Wörterbuch von Brockhaus/Wahrig sich sicher, dass die männliche und die weibliche Form von Cervelat korrekt ist. Beim Servela(t) lassen alle konsultierten Wörterbücher die männliche und die weibliche Variante zu.

Schreibweise ist (fast) wurscht

Wie Sie die Schweizer Nationalwurst schreiben, spielt orthografisch fast keine Rolle. Ob Sie eine(n) Servela, lieber eine(n) Cervelat oder gar eine(n) Servelat geniessen, alle Schreibweisen sind je nach Nachschlagwerk korrekt. Ich vermute aus eigener Erfahrung und aufgrund des Eintrags im Duden Schweizerhochdeutsch, dass Cervelat die üblichste Form ist. Google Trends (siehe unten) bestätigt diese Vermutung:«Cervelat» wird am häufigsten geschrieben. Einzig «Cervela» (mit C und ohne t) findet man in keinem Wörterbuch. Welches Geschlecht man wählt, hängt wohl von der Mundart ab. Ich bevorzuge die Cervelat. «En Guete»!

  • der/die Cervelat (Mehrzahl: Cervelats)
  • der/die Servela (Mehrzahl: Servelas)
  • der/die Servelat (Mehrzahl: Servelats)
    • der/die Cervela

Test: Was taugt die Korrektursoftware «Duden Korrektor 12.1»?

Seit einigen Wochen ist der «Duden Korrektor 12.1» für Microsoft Office verfügbar. Die Korrektursoftware wird nicht mehr vom Dudenverlag vertrieben, sondern von einer IT-Firma auf Basis der Dudenwerke. Ich habe getestet, was die Software kann.

Dieser Text wurde mit dem Duden Korrektor 12.1 überprüft. Fehler im Text liegen also in der Verantwortung der Software :-)

2013 hatte der Dudenverlag entschieden, seine Korrektursoftware nicht mehr weiterzuentwickeln und den Vertrieb einzustellen – sehr zu meinem Missfallen. Das Programm war zwar nicht über alle Zweifel erhaben, aber ich habe es als nützliches Hilfsmittel empfunden. Dank dem «Duden Korrektor» konnte ich mehr als einmal Fehler ausmerzen, die mir (und der Word-Rechtschreibprüfung) durch die Lappen gegangen waren.

Der neue «Duden Korrektor 12.1»

Seit August ist eine Neuentwicklung des Korrekturprogramms «Duden Korrektor» für Microsoft Office wieder auf dem Markt. Sie kostet in der Vollversion rund 95 Euro. Angeboten wird zudem eine Kurzlizenz (6 Monate) für rund 35 Euro und eine kostenlose Testversion (30 Tage, hier geht’s zum Download). Es stellt sich also die Frage, ob ich mit dem neuen «Duden Korrektor 12.1» tatsächlich einen Mehrwert gegenüber der Word-Rechtschreibprüfung erhalte und wie sich die Neuentwicklung im Vergleich zur alten Software des Dudenverlags schlägt.

Grundlage für den Test

Um den neuen «Duden Korrektor 12.1» zu testen, habe ich in einem kurzen Text 20 Fehler eingebaut: Kommafehler, Grammatikfehler, Rechtschreibfehler, doppelte Leerschläge/Wörter usw. Zusätzlich wollte ich testen, ob die Software Schreibweisen erkennt, die zwar korrekt sind, aber nicht der Dudenempfehlung entsprechen (z. B. auf Grund statt aufgrund). Für Schweizer ist zudem wichtig, dass das Korrekturprogramm Schweizer Eigenheiten akzeptiert (z. B. parkieren statt parken). Denselben Text habe ich mit der Word-Rechtschreibkorrektur und dem alten «Duden Korrektor» (Version 9.0) überprüft.

Duden Korrektor 2

Bild: Der Duden Korrektor 12.1 ist in das Menüband von Word integriert. Es werden Rechtschreib-, Grammatik- und Stilfehler unterschieden, die mit anderen Farben im Text markiert sind.

Testresultat zum neuen «Duden Korrektor 12.1»

10 von 20 Fehlern hat der neue «Duden Korrektor 12.1» gefunden. Zu meinem Erstaunen schlägt sich die Rechtschreib- und Grammatikprüfung von Word genauso gut: 10 gefundene Fehler. Am zuverlässigsten funktionieren die Programme bei Rechtschreibfehlern. Probleme haben sie mit Wörtern, die im Wörterbuch vorhanden sind, aber falsch genutzt werden. So wird «Email-Adresse» nicht als Fehler gewertet, obwohl es E-Mail-Adresse heissen müsste (Email ist eine Oberflächenbeschichtung).

Sowohl Word wie der Duden Korrektor 12.1 erkennen doppelte Leerschläge und doppelte Wörter als Fehler. Beim Algorhythmus waren die Programme sich einig, dass das Wort falsch geschrieben ist, konnten aber den richtigen Wortvorschlag Algorithmus nicht bieten.

Bei den eingebauten Komma- und Grammatikfehlern waren die Programme überfordert – mit wenigen Ausnahmen. Ein fehlendes Komma vor «sondern» wurde von Word und vom «Duden Korrektor 12.1» vorgeschlagen. Word erkannte auch einen Fallfehler bei der Präposition «betreffend» (Präposition mit Akkusativ), der «Duden Korrektor 12.1» nicht.

Der «Duden Korrektor 12.1» weist darauf hin, wenn ein Wort nicht der Dudenempfehlung entspricht, Word nicht. Word hat auch Mühe mit der Schweizer Standardsprache, trotz der Einstellung Deutsch (Schweiz), und kennt die «Türfalle» nicht. Der «Duden Korrektor 12.1» hatte damit keine Probleme, wollte aber die «Sauce» in «Soße» korrigieren, obwohl wir in der Schweiz das Eszett seit Jahrzehnten nicht mehr nutzen. Auch schlägt der Duden Korrektor 12.1 bei der «Gesellschaft mit beschränkter Haftung» die «Gesellschaft mit beschränkteR haftung» vor – keine Ahnung wie das Programm auf diese Idee kommt.

Positiv ist mir aufgefallen, dass die Überprüfung durch den «Duden Korrektor 12.1» deutlich schneller geht als in der früheren Version 9.0., die bei mir regelmässig abgestürzt ist. Der alte Duden Korrektor 9.0 liegt mit 3 erkannten Fehlern abgeschlagen auf dem dritten Platz.

 

Testfazit: «Duden Korrektor 12.1» nicht besser als Word

Der neue «Duden Korrektor 12.1» ist besser als die alte Version aus dem Dudenverlag, aber die kostenlose Korrekturfunktion von Word hält damit Schritt. Ich hätte nicht erwartet, dass die Wordkorrektur ebenso viele Fehler findet wie der neue «Duden Korrektor 12.1», weshalb ich etwas enttäuscht bin. Für 95 Euro hätte ich einen deutlichen Leistungsunterschied im Vergleich zur Standardkorrektur von Word erwartet. 

Übersicht über die gefundenen Fehler

Duden Korrektor 12.1 10 von 20 Fehlern gefunden
Duden Korrektor 9.0 3 von 20 Fehlern gefunden
Rechtschreib- und Grammatikprüfung von Word 10 von 20 Fehlern gefunden

 

Mein Test ist natürlich nicht repräsentativ. Bei einem anderen Text mit anderen Fehlern hätte sich vielleicht ein anderes Bild ergeben. Positive und negative Punkte zum «Duden Korrektor 12.1» sind für mich:

  • schnellere Überprüfung als mit dem alten Duden Korrektor 9.0
  • läuft stabil, auch bei umfangreichen Dokumenten
  • hat im Test deutlich mehr Fehler gefunden als der alte Duden Korrektor 9.0
    • Fehlererkennung im Test nicht besser als die Korrekturfunktion von Word
    • Zwei falsche Korrekturvorschläge im Test.

    Gesamtfazit: Kein Ersatz für einen «richtigen» Korrektor

    Die Trefferquote der aktuellen Korrekturprogramme lag im Test bei 50 Prozent. Den Korrektor aus Fleisch und Blut können sie also (noch) nicht ersetzen. Dennoch unterstützt eine Korrektursoftware bei der Fehlersuche. Für den Hausgebrauch genügt die Korrekturfunktion von Word. Der neue «Duden Korrektor 12.1» bot im Test keinen Mehrwert.

Alkohol hilft bei Fremdsprachen. Na, dann PROST :-) https://t.co/J8335OipfF
Die #Tolleranz bzw. #Toleranz wird auch häufig falsch geschrieben. https://t.co/WOJEsn62qb
Neues Wort in meiner Wortliste. Steht in Paris der #Eiffelturm oder der #Eifelturm? https://t.co/czhdkE0zPJ https://t.co/oHNH5pMGx1

Haben Sie Fragen?

Kontaktieren Sie mich!

E-Mail
lektor(at)vogt-text.ch

Telefon
+41 52 345 07 61
+41 76 428 78 48
 (Mo–Fr 9–12 und 14–16 Uhr)

Korrektorat und Korrektur
Korrektorat

Nach dem Korrektorat entspricht ein Text den üblichen Konventionen der Korrektheit.

Mehr Info

Lektorat und Redaktion
Lektorat

Im Lektorat wird Ihr Text systematisch nach Schwächen abgeklopft.

Mehr Info

Textservice und Ghostwriting
 Ghostwriting

Beim Ghostwriting werden Texte nach Ihren Wünschen und Vorstellungen geschrieben.

Mehr Info

Beratung, Kommunikation, Lektorat

Kommunikation

Auf Ihre Bedürfnisse und Vorstellungen individuell angepasste Kommunikationsberatung.

Mehr Info