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vogtext sw 3Aus dem Alltag eines Lektors

Im VogtBlog berichte ich in loser Folge über Themen, die mich bei der täglichen Arbeit beschäftigen. Sämtliche Informationen sind zur freien Verfügung.
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Vielen Dank und viel Spass bei der Lektüre!

 

Darum wettern wir über das Wetter und wittern ein Gewitter

Über das Wetter wettern wir dauernd: Der Sommer ist zu heiss, der Winter zu kalt, der Herbst zu nass und der Frühling kommt zu spät. Wie das Verb wettern sprachlich mit dem Substantiv Wetter zusammenhängt, warum wir ein Gewitter wittern können und wann Sie jemanden um schön Wetter bitten sollten.

Meteorologen haben einen harten Job, denn über die Wettervorhersage wird gerne und ausgiebig gewettert. Gedanken über die sprachlichen Zusammenhänge von Wind und Wetter machen sich aber die wenigsten – weder die Meteorologen noch die Personen, die über die Wetterfrösche und deren Vorhersagen wettern. Damit Sie in Zukunft wissen, weshalb Sie das Verb «wettern» nutzen, um Ihrem Unmut gegen unerwünschte Wetteraussichten Ausdruck zu verleihen, habe ich im Duden Herkunftswörterbuch (neuste Ausgabe kaufen*) nach der Entstehung des Verbs wettern und anderer «Wetterwörter» gegraben.

Vom Wehen zu Wind und Wetter

Ausgangspunkt vieler Wetterwörter ist die indoeuropäische Wortwurzel hṷē-, womit «hauchen, blasen oder wehen» ausgedrückt wird. Direkt daraus ableiten lässt sich das althochdeutsche Verb wāen und das mittelhochdeutsche wӕjen, woraus das moderne Verb wehen hervorgegangen ist. 

Die Wortwurzel hṷē- ist aber auch im Substantiv Wind verborgen, das aus dem althochdeutschen wind bzw. dem mittelhochdeutschen wint übernommen wurde. Wörtlich übersetzt bedeutet Wind «der Wehende».

Nach dem Wehen und dem Wind landet man auch beim Substantiv Wetter bzw. beim mittelhochdeutschen weter und beim althochdeutschen wetar. Wetter (weter/wetar) bedeutet wörtlich «Luft, Wind» oder «das Wehen», womit wir wieder bei derselben Wortwurzel hṷē- angelangt sind.

Wettern über das Wetter

Wenn Sie über das Wetter wettern, sind Sie mit dem aktuellen Wetter nicht zufrieden. Das Verb wettern ist also negativ besetzt. Ursprünglich hatte wettern (mittelhochdeutsch: wetern) aber eine neutrale Bedeutung und meinte «an der Luft trocknen». Ab ca. dem 16. Jahrhundert hat das Verb diesen ursprünglichen Sinn verloren. Heute wird wettern im übertragenen Sinn für «schimpfen, fluchen, heftig schelten» verwendet; seltener meint wettern «blitzen und donnern», wofür üblicherweise das Verb «gewittern» genutzt wird (siehe unten).

Beispiele mit dem Verb wettern im Sinne von «fluchen/schimpfen»:

  • Es gehört heute zum guten Ton, über Medien und Fake News zu wettern.
  • Der Stürmer wetterte nach dem ausgebliebenen Penaltypfiff lautstark gegen den Schiedsrichter – und kassierte die Rote Karte.
  • Politiker von links bis rechts wetterten über den Gesetzesentwurf zur Altersvorsorge.

Statt nur zu wettern, kann man umgangssprachlich auch loswettern, abwettern oder jemanden anwettern.

Beispiele mit dem Verb wettern im Sinne von «blitzen und donnern»:

  • In der Ferne stürmte und wetterte es.
  • Im vergangenen Jahr hat es laut Meteorologen häufiger gewettert als im langjährigen Durchschnitt.

Gewitter, gewittern und gewittrig

Wie Wetter und wettern sind auch Gewitter, gewittern und gewittrig auf die indogermanische Wortwurzel hṷē- zurückzuführenZuerst belegt ist das Gewitter im althochdeutschen Substantiv gewitiri, woraus sich das mittelhochdeutsche gewiter herausgebildet hat. Das Wort Gewitter ist eine sogenannte Kollektivbildung zu Wetter, bedeutet also ungefähr die «Gesamtheit allen Wetters» – so wie das Gebirge nicht einen einzelnen Berg, sondern die «Gesamtheit aller Berge» meint.

Ab ca. dem 12. Jahrhundert setzte sich für das Gewitter im Deutschen die Bedeutung «schlechtes Wetter» und dann spezifisch «Unwetter mit elektrischer Entladung in der Luft» durch. Daraus entstand im 17. Jahrhundert das Verb gewittern. Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Adjektiv gewittrig im Sinne von «zu Gewittern neigend».

Beispiele mit Gewitter, gewittern und gewittrig:

  • An heissen Sommertagen ziehen abends oft heftige Gewitter auf.
  • Am Sonntag hat es vielerorts geregnet und gewittert.
  • Dieses Wochenende wird gewittrig und heiss.

Witterung und wittern

Das Verb wittern geht zurück auf das mittelhochdeutsche Wort witeren (= ein bestimmtes Wetter sein/werden). In dieser ursprünglichen Bedeutung verwenden wir wittern nicht mehr. In der Jägersprache hat sich eine zweite Bedeutung herausgebildet, die heute im Vordergrund steht. Mit wittern ist gemeint, einen bestimmten Geruch in die Nase zu bekommen und so eine Fährte aufzunehmen. Wenn wir an die indogermanische Wortwurzel hṷē- zurückdenken, worauf auch wittern zurückzuführen ist, ist diese Bedeutung gar nicht so überraschend, denn beim Wittern wird einem durch den Wind ein Geruch in die Nase «gehaucht/geblasen» (= hṷē-). 

Meist wird wittern verwendet, um die Eigenschaft von Tieren zu beschreiben, einen Geruch aufzunehmen und zu verfolgen:

  • Zum Glück witterte mein Hund den Einbrecher und vertrieb ihn.
  • Die meisten Wildtiere verstecken sich, sobald sie einen Menschen wittern.
  • Als das Pferd Wasser witterte, galoppierte es los, um seinen Durst zu löschen.

Das Wort wittern kann zudem in einer übertragenen Bedeutung im Sinne von «(voraus)ahnen» oder «vermuten» genutzt werden:

  • Der Stürmer witterte seine Chance und schoss ein Tor.
  • Weil der Präsident wiedergewählt wurde, witterte die Opposition sofort einen Betrug.
  • Der umtriebige Händler witterte ein lukratives Geschäft.

Das Substantiv Witterung ist ca. im 16. Jahrhundert entstanden und kann Wetter, Geruch oder Geruchssinn meinen:

  1. Bei schlechter Witterung findet die Wanderung nicht statt (Witterung = Wetter).
  2. Jagdhunde haben eine gute Witterung (Witterung = Geruchssinn)
  3. Der Löwe nahm die Witterung der verletzten Antilope sofort auf (Witterung = Geruch).

Weshalb Sie ein Gewitter im Sommer wittern können

Wenn an heissen Sommertagen ein Gewitter aufzieht, kann man es manchmal vorausahnen, weil man den Wetterumschwung riecht, bevor am eigenen Standort Regen fällt. Man kann das Gewitter sozusagen wittern. Dieser typische Sommergewitterduft heisst «Petrichor» und ist besonders intensiv, wenn es nach langer Trockenheit wieder einmal regnet. Der Regen wirbelt dabei Staubpartikel auf, die das Aroma eines Öls in sich tragen, das Pflanzen bei Dürre produzieren. Weil der Wind diese Duftstoffe verbreitet, kann man den Regen bereits riechen, bevor das Gewitter vor der eigenen Haustür losbricht (Quelle: SRF).

Was Sie verwettern, was verwittert und was jemanden/etwas umwittert

Die Vorsilbe ver- kann mit «wettern» zu verwettern und mit «wittern» zu verwittern kombiniert werden. Wenn Sie etwas/jemanden verwettern, verfluchen Sie diese Person/Sache. Laut Duden war verwettern im 18. und 19. Jahrhundert geläufig und wurde meist im 2. Partizip genutzt::

  • Dieses verwetterte Sommerhitze bringt mich noch um den Verstand.
  • Wegen der verwetterten Sicherheitskontrolle hatte unser Flug zwei Stunden Verspätung.

Das Verb verwittern ist heute noch geläufig und bedeutet, dass eine Substanz durch Wettereinflüsse langsam zerfällt:

  • Die verwitterte alte Eiche stemmte sich trotzig gegen den Sturm.
  • Die Stützbalken waren so stark verwittert, dass der Einsturz des Gebäudes unmittelbar bevorstand.

Beim Verb wittern ist zudem die Kombination mit der Vorsilbe um- geläufig, woraus umwittern entsteht. Häufig wird umwittern mit einem Skandal oder einem Geheimnis verbunden:

  • Die alte Mühle am Rande des Dorfes war von vielen Geheimnissen umwittert.
  • Weil die Partei von so vielen Skandalen umwittert war, wurde sie bei den Wahlen abgestraft.

Redewendungen zu Wind, Wetter, wittern und Witterung

Das Substantiv Wetter ist zum Beispiel in folgenden Sprichwörtern zu finden.

  1. Bei diesem Wetter jagt man keinen Hund vor die Tür. Mit dieser Redewendung drückt man aus, dass das Wetter sehr schlecht ist: «Schau mal, wie es stürmt – bei diesem Wetter jagt man keinen Hund vor die Tür!»
  2. Ein Wetter zum Heldenzeugen/Eierlegen. Dieses Sprichwort passt, wenn besonders schönes Wetter ist: «Schau mal, den stahlblauen Himmel und das türkisfarbene Meer – das ist ja heute ein Wetter zum Heldenzeugen/Eierlegen.»
  3. Alle Wetter! Mit diesem Ausruf drückt man sein Erstaunen oder seine Bewunderung aus: «Er hat sich ein Sixpack antrainiert – alle Wetter!»
  4. Bei jemandem gut Wetter machen. Wenn Sie bei jemandem gut Wetter machen, versuchen Sie ihn günstig zu stimmen. Das Substantiv «Wetter» wird hierbei in der Bedeutung «Stimmung/Gemütszustand» verwendet: «Immer vor dem Mitarbeitergespräch versuchte er, bei seinem Chef gut Wetter zu machen.»
  5. Um gut/schön Wetter bitten. Bei dieser Redewendung bitten Sie um Verzeihung. Auch hier hat das Substantiv «Wetter» die Bedeutung «Stimmung/Gemütszustand»: «Du hast mich vor allen blossgestellt – jetzt solltest du zuerst einmal um gut/schön Wetter bitten!»

Beim Verb wittern lassen sich folgende Redewendungen erwähnen:

  1. Morgenluft wittern. Morgenluft wittern Sie, wenn Sie in einer ungünstigen Lage sind, aber eine Möglichkeit entdecken, sich aus dieser misslichen Lage zu befreien: «Weil der Wärter den Schlüssel stecken liess, witterten die Gefangenen Morgenluft.» Diese Redewendung geht zurück auf ein Zitat aus Shakespeares Hamlet. Der Geist von Hamlets Vater sagt angesichts des anbrechenden Tages: «Mich dünkt, ich wittre Morgenluft.» 
  2. Den Stall wittern. Wenn Sie auf dem Weg nach Hause den starken Drang verspüren, möglichst rasch vor der eigenen Haustür anzukommen, weil Ihr Zuhause bereits nah ist, dann wittern Sie den Stall.
  3. Unrat wittern = misstrauisch werden oder etwas Schlimmes erahnen: «Der Bankangestellte witterte Unrat, als einer der Kunden plötzlich eine Maske vor das Gesicht zog.»

Die Witterung gibt Anlass zu folgender Redewendung: Witterung von etwas bekommen. Wenn Sie etwas erfahren, das geheim bleiben sollte, haben Sie Witterung davon bekommen. Der Ursprung dieser Redewendung liegt in der Jägersprache. Steht der Jäger im Wind, bleibt seine Anwesenheit nicht geheim, weil Rehe und Hirsche ihn wittern und sich davonmachen, bevor er auf sie schiessen kann. Häufig hört man auch die bedeutungsgleiche Redewendung: Von etwas Wind bekommen.

Den Wind findet man in unzähligen Redewendungen, zum Beispiel:

  1. Etwas in den Wind schlagen. Wenn Sie einen guten Rat nicht beachten, schlagen Sie ihn in den Wind. Bei dieser Redewendung dient der Wind als Bild für etwas nicht Fassbares, eine Leere, die man nicht wirklich wahrnimmt und deshalb unbeachtet lässt. Möglicherweise hat «in den Wind schlagen» auch mit der Vorstellung zu tun, dass man mit der Handbewegung, mit der man etwas abweist/abtut, ins Leere schlägt.
  2. Jemandem den Wind aus den Segeln nehmen. Bei Seegefechten war es früher wichtig, das gegnerische Schiff in den Windschatten zu bekommen, indem man geschickt manövrierte. Man nahm dem Gegner dabei den Wind aus den Segeln und damit seinen Vorteil. Heute nehmen Sie jemandem nur noch im übertragenen Sinn den Wind aus den Segeln, wenn Sie die Argumente eines Kontrahenten in einer Diskussion wirksam entkräften.
  3. Durch den Wind sein. Wenn jemand durch den Wind ist, ist er seelisch aus dem Gleichgewicht geraten oder verstört: «Weil er einen Unfall verschuldet hatte, war er völlig durch den Wind.»

Falls Sie sich für Redewendungen interessieren, empfehle ich das Wörterbuch der deutschen Idiomatik aus dem Dudenverlag (Wörterbuch kaufen*), das mir als Quelle gedient hat. Darin zu finden sind auch diverse weitere Sprichwörter rund um das Thema Wind und Wetter.

So, Sie haben es bis zum Ende dieses Beitrags geschafft. Danke für die Aufmerksamkeit! Nun wünsche ich Ihnen schönes Wetter und eitel Sonnenschein!

Test: Duden-Mentor vs. Duden Korrektor vs. Word

Der Dudenverlag bietet mit dem Duden-Mentor eine Textprüfung online an und tritt damit gegen die Software Duden Korrektor der Firma EPC an – und natürlich gegen die Rechtschreibprüfung von Microsoft Word. Welche Lösung am meisten Rechtschreibfehler findet, erfahren Sie in diesem Blogbeitrag.

(Dieser Text wurde von einer Korrektursoftware geprüft. Fehler im Text liegen also in der Verantwortung der Software :-)

2013 entschied der Dudenverlag, seine Korrektursoftware «Duden Korrektor» nicht mehr weiterzuentwickeln und den Vertrieb einzustellen – sehr zu meinem Missfallen. Das Programm war zwar nicht über alle Zweifel erhaben, aber ich habe es als nützliches Hilfsmittel empfunden. Mehr als einmal konnte ich Fehler ausmerzen, die mir (und der Word-Rechtschreibprüfung) durch die Lappen gegangen sind. Heute gibt es neben der Word-Rechtschreibprüfung wieder einen Duden Korrektor und einen Duden-Mentor.

 

Duden Korrektor für Microsoft Office von EPC

Seit 2017 gibt es den «neuen» Duden Korrektor für Microsoft Office – allerdings wird diese Software nicht vom Dudenverlag weiterentwickelt und vertrieben, sondern von der Firma EPC. Der Duden Korrektor kostet in der Vollversion rund 95 Euro. Wer die Software nur für ein einzelnes Projekt oder zeitlich begrenzt nutzen will, kann auch eine Kurzlizenz für 35 Euro kaufen (gültig 6 Monate). Für Unentschlossene steht zudem eine kostenlose Testversion zur Verfügung, womit man alle Funktionen des Duden Korrektor 30 Tage lang testen kann. Installiert wird der Duden Korrektor lokal als Plugin in Microsoft Word. Hier geht’s zur Website des Duden Korrektor.

Der Duden Korrektor markiert Fehler direkt im Worddokument. Erläuterungen zum Fehler werden in einer eigenen Spalte daneben dargestellt. Unterschieden wird zwischen Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung und Stil.

Duden Korrektor Screenshot

 

Duden-Mentor aus dem Dudenverlag

Da es den Duden Korrektor bereits gibt, musste der Dudenverlag seine Korrekturlösung wohl umbenennen. Die offizielle Dudenlösung heisst nun Duden-Mentor. Erhältlich ist eine Basisvariante des Duden-Mentor, die man kostenlos online nutzen kann. Wer auf Werbung verzichten will, kann den Duden-Mentor Plus kaufen. Dabei handelt es sich um ein Jahresabonnement der Basis-Variante für monatlich 1,99 Euro ohne Werbung. Die Premium-Version des Duden-Mentor kann man 14 Tage kostenlos testen. Anschliessend kostet die Online-Rechtschreibprüfung aus dem Dudenverlag knapp 15 Euro pro Monat. Hier geht’s zur Website des Duden-Mentor.

Beim Duden Mentor erfolgt die Textprüfung online. Die gefundenen Fehler werden wie beim Duden Korrektor markiert, allerdings alle in derselben Farbe, dem Dudengelb.

Duden Mentor

 

Rechtschreibprüfung von Word

Die Rechtschreibprüfung von Microsoft ist bereits in Word enthalten, also kostenlos, wenn man von den Kosten für Microsoft Office selbst einmal absieht.

 

Preise von Duden Korrektor, Duden-Mentor und Word

Während bei der Vollversion des Duden Korrektor eine einmalige Zahlung erfolgt, fallen beim Duden-Mentor Premium monatliche Kosten an:

Duden-Mentor Premium

EUR 14.95 (monatlich)

Duden Korrektor (Version 13)

EUR 94.01 (einmalig)

Word Rechtschreibprüfung

kostenlos

 

So habe ich Duden Korrektor, Duden-Mentor und Word getestet

Um den Duden-Mentor mit dem Duden Korrektor und mit der Rechtschreibprüfung von Word zu vergleichen, habe ich in einem kurzen Text 20 Fehler eingebaut: Kommafehler, Grammatikfehler, Rechtschreibfehler, doppelte Leerschläge/Wörter usw. Zusätzlich wollte ich testen, ob die Software Schreibweisen erkennt, die zwar korrekt sind, aber nicht der Dudenempfehlung entsprechen (z. B. auf Grund statt aufgrund).

Für Schweizer ist zudem wichtig, dass das Korrekturprogramm Schweizer Eigenheiten akzeptiert, weshalb ich einige Helvetismen ergänzt habe (z. B. parkieren statt parken). Auch Österreicher sind sicherlich daran interessiert, dass die Korrektursoftware Austriazismen erkennt.

Einschränkend ist zu diesem Test festzuhalten, dass er nicht repräsentativ ist und die Resultate bei einem anderen Testtext möglicherweise anders ausgesehen hätten. Ich denke aber, dass der Test einen guten Einblick gibt, wo die Korrektursoftwares ihre Stärken und Schwächen haben.

Ebenfalls bemerken möchte ich, dass ich weder mit Microsoft noch mit dem Dudenverlag oder der Firma EPC in irgendeiner Beziehung stehe oder von diesen Organisationen Provisionen erhalte. Der Test ist also unvoreingenommen und unbeeinflusst.

 

Duden Korrektor und Duden-Mentor bei Trefferquote gleichauf

Wenn man nur die gefundenen Fehler berücksichtigt, liefern sich Duden Korrektor, Duden-Mentor und Word ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die zwei kostenpflichtigen Korrekturlösungen finden je 13 von 20 Fehlern, Word 11 von 20 Fehlern:

  • Duden Korrektor: 13 von 20 Fehlern gefunden
  • Duden-Mentor: 13 von 20 Fehlern gefunden
  • Word-Rechtschreibprüfung: 11 von 20 Fehlern gefunden 

Schreibfehler werden häufig gefunden

Am zuverlässigsten funktionieren die Programme bei eindeutigen Rechtschreibfehlern (z. B. Kravatte statt Krawatte). Probleme haben sie mit Wörtern, die im Wörterbuch zu finden sind, aber falsch genutzt bzw. falsch zusammengesetzt werden. Keines der Korrekturprogramm sieht in der «Email-Adresse» einen Fehler, obwohl es E-Mail-Adresse heissen müsste (Email ist eine Oberflächenbeschichtung).

Beim Algorhythmus waren die Programme sich wieder einig, dass das Wort falsch geschrieben ist. Duden Korrektor und Duden-Mentor haben das korrekte Wort Algorithmus vorgeschlagen, die Word-Rechtschreibprüfung hat nicht erkannt, dass der Algorithmus gemeint war.

Sowohl Word wie Duden Korrektor und Duden-Mentor erkennen doppelte Leerschläge und doppelte Wörter als Fehler.

Probleme mit Interpunktion

Weniger gut war die Trefferquote bei den eingebauten Komma- und Grammatikfehlern. Ein fehlendes Komma vor «sondern» wurde von allen gefunden, ein überflüssiges Komma vor einem Vergleich mit «als» wurde nicht als Fehler erkannt – was aber auch deutlich schwieriger ist, weil es vom Satz abhängt, ob vor «als» ein Komma gesetzt wird oder nicht.

Probleme mit das und dass

Beliebte Fehler sind nach meiner Erfahrung «Das-Dass-Fehler». Damit haben auch Word, Duden-Mentor und Duden Korrektor offensichtlich noch Mühe. So wurde das falsche «dass» im folgenden Satz nicht erkannt: «Da der Platzmangel nicht das einzige Problem ist, dass sich bei überfüllten Haftanstalten ergibt, ist …»

Probleme bei Präpositionen

Bei den Präpositionen im Test erkannte Word einen Fehler bei «betreffend» (mit Genitiv statt Akkusativ), den weder Duden-Mentor noch Duden Korrektor identifizieren konnten. Umgekehrt war es hingegen bei der Präposition «während» (mit Dativ statt Genitiv).

In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass nur Word (korrekte) Korrekturvorschläge macht, sofern es den Fehler bei der Präposition erkennt. Duden-Mentor und Duden Korrektor weisen lediglich darauf hin, dass die Präposition üblicherweise mit dem Fall XY verwendet wird (z. B. nahe + Dativ); man muss selbst herausfinden, wie es korrekt heissen müsste. Vielleicht machen Duden-Mentor bzw. Duden Korrektor keine Korrekturvorschläge, weil es bei einigen Präpositionen regionale Unterschiede gibt. Falls Sie mehr über Präpositionen erfahren wollen, finden Sie dazu Informationen meiner Spezialseite zu Präpositionen.

Duden-Mentor schwächelt bei Helvetismen

Mit Helvetismen hatten der Duden Korrektor und Word weniger Probleme als der Duden-Mentor. Wenn die Ländereinstellung «Deutsch (Schweiz)» eingestellt ist, wird zum Beispiel «parkieren» von Word und Duden Korrektor nicht markiert. Damit hatte auch der Duden-Mentor keine Mühe, hat aber bei «geniessen» und «Sauce» die Schreibvariante mit Scharf-S (genießen und Soße) vorgeschlagen, obwohl ich die Ländereinstellung «Schweiz» gewählt habe. Das fand ich erstaunlich, denn es ist wohl eine der simpelsten Eigenheiten der Schweizer Standardsprache, dass wir das Scharf-S nicht verwenden – und zwar schon seit Jahrzehnten nicht mehr. 

 

Duden-Mentor für die (Berufs-)Praxis nicht geeignet

Als Lektor ist der Duden-Mentor für mich keine brauchbare Lösung. Die Premium-Variante ist zwar zu einem fairen Preis erhältlich und kann bei der Trefferquote mit Word oder dem Duden Korrektor mithalten, hat aber entscheidende Nachteile, wenn man die Korrektursoftware nicht nur als lustige Spielerei einsetzen will.

Textumfang beschränkt beim Duden-Mentor

Die Beschränkung auf 40'000 Zeichen beim Duden-Mentor Premium ist ein Killerkriterium. 40'000 Zeichen entsprechen rund 20 Standardseiten (à 1800 Zeichen inkl. Leerzeichen). Das ist viel zu wenig. Damit kann man nicht einmal eine Bachelorarbeit prüfen lassen. Bei der Basis- und der Plus-Variante des Duden-Mentor darf man sogar nur 1500 Zeichen (mit Benutzerkonto) bzw. 800 Zeichen (ohne Benutzerkonto) prüfen. Dies reicht nicht einmal für einen längeren Brieftext.

Duden-Mentor nur online verfügbar

Entscheidende Nachteile ergeben sich für mich weiter aus der Online-Anbindung des Duden-Mentor. Die Textprüfung des Dudenverlags kann leider nicht als Word-Plugin oder in einer anderen Form auf dem Computer lokal installiert werden. Dadurch muss man den Text, den man prüfen will, zuerst hochladen. Das ist zwar nicht besonders aufwendig, aber deutlich weniger effizient, als wenn die Textprüfung direkt im Word-Dokument erfolgt.

Datensicherheit beim Duden-Mentor?

Als Lektor behandle ich die Texte meiner Kundinnen und Kunden vertraulich. Ich möchte sie deshalb nicht für eine Rechtschreibprüfung auf eine fremde Website hochladen müssen. Ich bezweifle nicht, dass der Dudenverlag alles unternimmt, um Datenlecks zu verhindern, aber dennoch ist es eine Online- und keine Offline-Lösung. Dies widerstrebt mir.

Layoutverlust beim Duden-Mentor

Verloren geht beim Duden-Mentor das Layout des Dokuments. Auch Zeilenschaltungen und Überschriften werden bei der Textprüfung entfernt. Man kann den Text nach der Korrektur also nicht kopieren und wieder in das Originaldokument übertragen, ohne das ganze Dokument komplett neu zu formatieren. Als ich in meinem Test den korrigierten Text wieder in Word einfügte, ging dies sogar so weit, dass ich zwischen einem Punkt am Satzschluss und dem ersten Wort des neuen Satzes einen Abstand manuell einfügen musste. An dieser Stelle war im Originaldokument ein Zeilenumbruch vorhanden. Der Duden-Mentor hat den Zeilenumbruch einfach entfernt und nicht berücksichtigt, dass dadurch ein Wortabstand nötig geworden wäre.

Duden-Mentor nicht erste Wahl

Wer eine Alternative zur Word-Rechtschreibprüfung sucht und nur Twitternachrichten oder kurze Facebook-Posts prüfen will, liegt mit dem Duden-Mentor nicht falsch. Die Korrekturleistung ist sogar besser als bei Word. Leider ist die Praxistauglichkeit sogar bei der Premium-Variante nur eingeschränkt vorhanden, denn längere Texte muss man stückweise hochladen, mit dem Duden-Mentor prüfen, dann wieder in das Originaldokument zurückkopieren und am Schluss neu layouten.

Insgesamt überwiegen für mich die Nachteile beim Duden-Mentor. Mit der Word-Korrektur oder mit dem Duden Korrektor ist man besser bedient, wenn man nicht nur die gefundenen Fehler berücksichtigt, sondern auch die Benutzerfreundlichkeit.

 

Duden Korrektor im Vorteil

Die Stärken des Duden Korrektor liegen in jenen Punkten, bei welchen der Duden-Mentor schwächelt: keine Beschränkung bei der Textmenge und eine lokale Installation. Da der Duden Korrektor als Plugin in Word integriert wird, ergeben sich auch keine Layoutprobleme. Die Software markiert zwar Fehler im Word-Dokument farbig, die Markierung werden aber nach Abschluss der Korrektur wieder entfernt. Auch sonst gab es im Test keine Layoutprobleme.

Zuverlässig ohne Abstürze

Da ich den Duden Korrektor bereits seit Längerem einsetze, kann ich aus Erfahrung sagen, dass er zuverlässig funktioniert. Bei umfangreichen Dokumenten kann Word zwar für einige Minuten «einfrieren», bis das Programm den ganzen Text überprüft hat, abgestürzt ist der Duden Korrektor bei mir aber noch nie – auch nicht bei Dokumenten über 100 Seiten. Bei längeren Texten kann man den Duden Korrektor auch abschnittsweise arbeiten lassen oder Textausschnitte markieren, die er überprüfen soll, um das «Absturzrisiko» zu minimieren.

Eigenes Benutzerwörterbuch

Gut finde ich beim Duden Korrektor das Benutzerwörterbuch, in welchem man Wörter speichern kann, die das Programm nicht kennt. Bei mir sind das eine ganze Reihe von Ortsbezeichnung, Firmennamen und teilweise auch Fachbegriffe, die in Texten immer wieder auftauchen, im allgemeinen Sprachgebrauch aber weniger bekannt sind. Je umfangreicher das Benutzerwörterbuch ist, umso effizienter wird der Korrekturprozess, weil die Liste der unbekannten Wörter, welche die Software markiert, immer kleiner wird. Beim Duden-Mentor Premium kann man übrigens auch eine eigene Wortliste anlegen.

 

Word schlägt sich gut

Ziemlich gut schlägt sich im Vergleich zu den Bezahlprogrammen die Rechtschreibprüfung von Word. 11 von 20 Fehlern ist zwar für eine professionelle Korrektur ungenügend, aber besser als nichts für ein Gratisprogramm. Ich glaube deshalb, dass die Word-Rechtschreibprüfung besser ist als ihr Ruf.

Im Korrektorat oder Lektorat stelle ich zudem häufig fest, dass die Rechtschreibprüfung von Word einfach ignoriert wird. Viele Nutzer schalten sie ab oder beachten die rot, blau oder braun unterwellten Wörter in Word nicht. Meine Empfehlung: Wenn Sie Word nutzen, dann bitte auch die Rechtschreibprüfung. Sie können damit einfache «Buchstabenverdreher» und «Verschreiber» gut finden und ausmerzen, sogar den einen oder anderen Komma- und Grammatikfehler werden Sie damit finden und korrigieren können.

 

Testfazit: Duden Korrektor der Sieger – mit Luft nach oben

Die Trefferquote der Korrekturprogramme lag im Test bei 65 Prozent (Duden-Mentor/Korrektor) bzw. bei 55 Prozent (Word). Den Korrektor aus Fleisch und Blut, der pro Durchgang und abhängig von der Textlänge ca. 90 bis 100 Prozent der Fehler finden sollte, können sie also (noch) nicht ersetzen. Wenn man das Gesamtpaket von Korrekturleistung und Benutzerfreundlichkeit betrachtet, sehe ich den Duden Korrektor als Sieger meines Tests, gefolgt von der Word-Rechtschreibprüfung und dem Duden-Mentor.

Duden Korrektor Mentor Rangliste

Korrekturen immer manuell prüfen!

Eine Korrektursoftware unterstützt bei der Fehlersuche. Nicht zu vergessen ist aber, dass sie Fehler nicht automatisch korrigiert. Word und Duden Korrektor haben zwar eine «Autokorrektur», wovon ich aber dringend abrate, weil die Software manchmal Fehler erkennt, aber nicht weiss, wie das Wort korrekt heissen müsste – oder im schlimmsten Fall sogar eine Fehlkorrektur vornimmt. Man muss also manuell prüfen, ob die Software richtig liegt oder nicht, um nicht zusätzliche Fehler einzubauen.

Korrektursoftware als unterstützendes Instrument

Ich setzte im Lektorat und Korrektorat ab und zu den Duden Korrektor ein. Das Programm findet zwar bei Weitem nicht alle Fehler, ist aber eine zusätzliche Unterstützung und bietet aus meiner Sicht das beste Gesamtpaket von Korrekturleistung und Benutzerfreundlichkeit.

Wer nicht regelmässig Texte korrigiert, ist mit der Korrekturfunktion von Word aber gut bedient, zumal sie kostenlos und sofort einsetzbar ist.

Am wenigsten überzeugt mich der Duden-Mentor, obwohl dahinter das Schwergewicht Dudenverlag steht. Ich setzte den Duden-Mentor nicht ein. Die Korrekturleistung ist zwar in Ordnung, aber bei der Benutzerfreundlichkeit schneidet der Duden-Mentor von allen drei Korrekturlösungen mit Abstand am schlechtesten ab, finde ich.

 


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