Vogt Text

vogtext sw 3Aus dem Alltag eines Lektors

Im VogtBlog berichte ich in loser Folge über Themen, die mich bei der täglichen Arbeit beschäftigen. Sämtliche Informationen sind zur freien Verfügung.
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Vielen Dank und viel Spass bei der Lektüre!

 

Der/die Cervelat/Servela(t) – wie man die Schweizer Nationalwurst schreibt

Herr und Frau Schweizer essen sie/ihn gerne und oft, unabhängig von der Schreibweise. Auch mir ist beim «Zvieri» wurst, ob ich eine(n) Servela(t) oder Cervelat verdrücke. Wenn ich anschliessend gestärkt einen Text über Würste lektoriere, spielen Geschlecht und Schreibweise der Schweizer Nationalwurst aber eine Rolle.

Als ich mich für diesen Blogbeitrag entschied, hätte ich nicht gedacht, dass Würste orthografisch kompliziert sind, aber beginnen wir von vorne:

Cervelat

Die Zervelatwurst

Im Duden* ist die Zervelatwurst oder Servelatwurst zu finden. Das ist eine Dauerwurst, also eine Rohwurst, die haltbar gemacht wurde, beispielsweise durch Lufttrocknung oder Räuchern. Der Duden empfiehlt die Schreibweise mit Z: Zervelatwurst. Daraus könnte man ableiten, dass unsere Nationalwurst Zervelat heisst, was jedem Schweizer in den Augen wehtut. Das Wort «Zervelat» (ohne «…wurst») findet man dann auch nicht im Duden.

Von der Servela über die Servelat zur Cervelat

Sucht man im Duden nach der Nebenform «Servelatwurst», stösst man auf das Hauptstichwort «Servela» (ohne t) und den Zusatzhinweis «schweizerisch neben Cervelat». Dies bedeutet, dass «Servela» eine korrekte Schreibweise neben der Hauptform «Cervelat» (mit t) ist, die im Duden ebenfalls aufgeführt wird.

Interessant ist aber, dass «Servela» (ohne t) im Duden Schweizerhochdeutsch* nicht zu finden ist. Dort wird «Servelat» (mit t) aufgeführt und auf die Hauptform «Cervelat» verwiesen.

Der oder die Cervelat/Servela(t)

Beim Geschlecht der Schweizer Nationalwurst zeigt sich kein einheitliches Bild. Während der neueste Duden (27. Aufl.) beim «Cervelat» nur die männliche Variante aufführt, findet man im Duden Schweizerhochdeutsch auch «die Cervelat». Ebenso ist das Deutsche Wörterbuch von Brockhaus WAHRIG* sich sicher, dass die männliche und die weibliche Form von Cervelat korrekt ist. Beim Servela(t) lassen alle konsultierten Wörterbücher die männliche und die weibliche Variante zu.

Schreibweise ist (fast) wurscht

Wie Sie die Schweizer Nationalwurst schreiben, spielt orthografisch fast keine Rolle. Ob Sie eine(n) Servela, lieber eine(n) Cervelat oder gar eine(n) Servelat geniessen, alle Schreibweisen sind je nach Nachschlagwerk korrekt. Ich vermute aus eigener Erfahrung und aufgrund des Eintrags im Duden Schweizerhochdeutsch, dass Cervelat die üblichste Form ist. Google Trends (siehe unten) bestätigt diese Vermutung:«Cervelat» wird am häufigsten geschrieben. Einzig «Cervela» (mit C und ohne t) findet man in keinem Wörterbuch. Welches Geschlecht man wählt, hängt wohl von der Mundart ab. Ich bevorzuge die Cervelat. «En Guete»!

  • der/die Cervelat (Mehrzahl: Cervelats)
  • der/die Servela (Mehrzahl: Servelas)
  • der/die Servelat (Mehrzahl: Servelats)
    • der/die Cervela

    Cervelas bei Migros, Coop, Aldi und Co.

    Eine Blogleserin hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass beim Schweizer Lebensmittelhändler Migros «Cervelas» verkauft werden – und mich dadurch ins Grübeln gebracht. Ich habe nämlich festgestellt, dass auch Coop, Volg, Denner und sogar Aldi Schweiz «Cervelas» anbieten. Einzig der Schweizer Ableger von Lidl setzt auf orthografisch korrekte «Cervelats» mit t.

    Nun könnte man vermuten, dass sich die Lebensmittelhändler einen Rechtschreibfehler gegenseitig abgeschrieben haben, denn die Mehrzahl «Cervelas» ist für mich eindeutig kein korrekt geschriebenes (schweizer-)deutsches Wort. Bevor Sie sich nun aber bei der Migros oder einem anderen Händler beschweren, bedenken Sie Folgendes: Nur aufgrund eines einzelnen Wortes auf der Produktverpackung ist nicht eindeutig bestimmbar, in welcher Sprache es geschrieben ist. Da wir in der Schweiz mehrere Landessprachen haben und auch die Zutaten der Cervelat auf der Verpackung in Deutsch, Französisch und Italienisch aufgedruckt sind, vermute ich, dass sich die Migros einfach für die französische Variante («cervelas») entschieden hat (oder sich damit «rausreden» könnte).

So sieht der Arbeitsplatz eines Lektors aus

Seit dieser Woche ist Vogt Text mit einem Büro im Hegnerhof Kloten vertreten – Anlass für einen Blick auf den Arbeitsplatz eines Lektors.

Für die Lektoratsarbeit benötige ich keine ausgeklügelte Infrastruktur. Das Einrichten meines neuen Arbeitsplatzes in Kloten war deshalb schnell erledigt. Voraussetzung für jeden Lektor ist ein Tisch mit Stuhl. Da ich meist am PC lektoriere, schätze ich es, wenn ich ab und zu im Stehen arbeiten kann. Leider wurde mein höhenverstellbarer Schreibtisch noch nicht geliefert, weshalb ich mich aktuell mit einer Übergangslösung begnüge.

Das zweite unverzichtbare Hilfsmittel ist die Kaffeemaschine, damit ich am Morgen in die Gänge komme und am späten Abend bei Fachtexten mit 8-Punkt-Schrift, einfachem Zeilenabstand und minimalen Seitenrändern nicht einschlafe. Solche Texte sind zum Glück die Ausnahme.

Kernstück für das Lektorat ist der PC, in meinem Fall mit zwei Bildschirmen. Einen Bildschirm nutze ich als Hauptbildschirm während des Lektorierens. Der zweite Bildschirm dient für alle anderen Aufgaben, wie E-Mails lesen, auf der Dudenwebsite ein Wort nachschlagen, Themen recherchieren etc.

Wichtig ist für mich nach wie vor ein Drucker. Die Zeiten, als der Lektor zwischen Stapeln von Papiermanuskripten kaum zu sehen war, sind zwar vorbei, das viel zitierte «papierlose Büro» hat bei mir aber (noch) nicht Einzug gehalten. Texte drucke ich zum Beispiel aus, um sie nach dem Lektorat auf Papier zu überfliegen. Ich habe festgestellt, dass mir dabei Fehler im Text oder Unschönheiten beim Layout ins Auge springen, die ich auf dem Bildschirm übersehen habe.

Ich führe auch eine kleine «Bibliothek» mit Wörterbüchern, Nachschlagewerken zur deutschen Grammatik und anderer Fachliteratur, die ich heranziehe, wenn ich auf ein sprachliches Problem stosse, das ich nicht sofort lösen kann (siehe auch hier meine Top 5 bei den Nachschlagwerken zur deutschen Sprache).

Ergänzt man schliesslich die üblichen Büroutensilien wie Stifte, Papier, Locher, Bostitch und Ordner, ist der Arbeitsplatz für den modernen Lektor komplett:

Arbeitsplatz


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Mehr Sprachtipps

Australien: Zentralbank übersieht Rechtschreibfehler auf Geldschein https://t.co/O55pkfV4t3 via @welt
@dasletzteauge Gern geschehen und Danke fürs Teilen. Es freut mich immer, wenn jemand meine Erfahrungen bestätigen… https://t.co/q1u0arddi7
Duden-Mentor vs. Duden Korrektor vs. Word. Welche Rechtschreibprüfung ist am besten? Hier geht's zu meinem Test:… https://t.co/6n2j0yi12f

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