Vogt Text

vogtext sw 3Aus dem Alltag eines Lektors

Im VogtBlog berichte ich in loser Folge über Themen, die mich bei der täglichen Arbeit beschäftigen. Sämtliche Informationen sind zur freien Verfügung.
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Vielen Dank und viel Spass bei der Lektüre!

 

Die Definition der Normseite wird überschätzt

TextseiteIm Internet kursieren unterschiedliche Zahlen, wenn es um die "richtige" Anzahl Zeichen einer Normseite geht. Diese Diskussion ist unnötig, weil die exakte Definition der Normseite überschätzt wird.

Bei Lektoren, Autoren und Verlagen ist die Normseite eine beliebte Grösse, um den Umfang eines Manuskripts abzuschätzen. Lange war meines Wissens eine Normseite unbestritten definiert als A4-Seite mit 30 Zeilen à 60 Zeichen, also insgesamt 1800 Zeichen (inklusive Leerzeichen). Diese Normseite diente als Basis für Aufträge und die Abrechnung der geleisteten Arbeit. Inzwischen kursieren im Internet die unterschiedlichsten Zahlen zur Normseite. Die Spannweite liegt zwischen 1450 und 1800 Zeichen.

 

Warum weniger als 1800 Zeichen

Warum heute viele für eine Normseite von 1500 Zeichen plädieren, ist einleuchtend. In einem Text hat es Absätze, Zitate, direkte Rede und so weiter. Nicht jede Zeile ist also ausgefüllt und es gibt immer Weissraum. Bei 1800 Zeichen müsste jede Seite, bis auf das letzte Zeichen, vollgeschrieben sein und das kommt in der Praxis selten vor. Soweit so gut. Problematisch wird es, wenn der Lektor einen Preis für eine Normseite verlangt und dabei 1500 Zeichen meint, der Auftraggeber aber von 1800 Zeichen ausgeht. Klärt man diese Frage nicht zu Beginn, sind Diskussionen unvermeidbar.

 

Wichtig ist die gleiche Grundlage

Damit ich den Umfang eines Auftrages abschätzen kann, hat meine Normseite noch immer 1800 Zeichen inklusive Leerzeichen. Wie ich das handhabe, ist aber eine untergeordnete Frage, denn ich könnte genauso gut mit 1500 Zeichen rechnen. Warum? Bei den unterschiedlichen Zahlen zu den Normseiten verhält es sich wie bei Währungen. Ob man in Euro, Dollar oder Schweizer Franken rechnet, die Zahl und die Währung verändert sich zwar, der Wert aber bleibt gleich. Entscheidend ist vielmehr, dass der Kunde weiss, welche Währung bei der Zahl steht, bevor er ein Produkt kauft.

Wichtiger als die "richtige" Normseite ist also, sich zu einigen, welche Normseite (=Währung) man der Berechnung der Preise zugrunde legt. Mein Richtwert beim Lektorat sind 5 Normseiten à 1800 Zeichen inklusive Leerzeichen pro Stunde. Wenn jemand eine Offerte mit einer Normseite von 1500 Zeichen möchte, bitte, dann rechne ich ihm das um. Auf dem Papier schaffe ich dann zwar mehr Seiten pro Stunde, nämlich 6, und der Preis pro Seite ist tiefer, am Endpreis ändert sich aber nichts. Ich habe nämlich denselben Aufwand, weil sich am Gesamtumfang des Textes nichts ändert. Ergo bleibt der Preis gleich und es ist völlig irrelevant, wie viel Weissraum im Manuskript tatsächlich pro A4-Seite auftaucht.

 

Transparenz ist gefragt

Unfair ist es hingegen, wenn ein Auftraggeber nicht bereit ist, seine Preisvorstellungen anzupassen, weil er von einer anderen Grundlage ausgegangen ist als der Lektor. Dann geht es nur darum, den Preis zu drücken. Auf der anderen Seite ist es genauso unfair, wenn der Lektor nicht offenlegt, wie er seine Preise berechnet. Besonders schlimm finde ich, wenn man sich auch noch mit einem kundenfreundlichen Service herausredet: "Ich gehe auf jeden Kunden persönlich ein und berechne jedem eine massgeschneiderte Offerte", oder "Jeder Text ist anders." Natürlich ist jeder Text anders, aber das ist kein Grund, gewisse Grundregeln zu definieren, wie ein Preis zustande kommt und dies auch zu kommunizieren.

 

  • Fazit: Entscheidend ist nicht die Definition der "richtigen" Normseite". Wichtiger ist die transparente Kommunikation des Preisberechnungsmodells – und zwar bei Auftraggeber und Auftragnehmer.

 Foto: Uwe Bergeest / pixelio.de

Wie ist das jetzt - Hat man Holz gespaltet oder gespalten?

Der Winter naht und die Temperaturen sinken. Bevor man aber so richtig gemütlich vor dem Cheminée oder Schwedenofen sitzen kann, muss man seinen Vorrat an Brennmaterial auffüllen. Dabei hat sich bei mir plötzlich eine sprachliche Unsicherheit festgesetzt. Wie drückt man korrekt aus, dass man Holz für den Ofen zerkleinert hat? Habe ich Holz gespaltet oder gespalten? Die pragmatische Lösung in solchen Fällen ist ein anderes Wort und ich habe deshalb Holz gehackt. Die Unsicherheit über die korrekte Form des Perfektpartizips von "spalten" hat mich aber so lange beschäftigt, dass ich dann doch zum Duden* gegriffen habe:

Zu spalten [...] lautet das Partizip II meist gespalten, selten gespaltet.

Aha, es ist also beides möglich. Duden führt zu "spalten" weiter aus, dass die Form "gespalten" besonders bei adjektivischem Gebrauch benutzt wird. Ins gleiche Horn stösst SpiegelONLINE und erklärt, dass die Perfektform "gespalten" ebenso existiere wie "gespaltet". Letzteres sei viel seltener zu hören und als Adjektiv verwende man fast ausschliesslich die Form "gespalten".

Die Präferenz für "gespalten" zeigt sich auch bei einer Google-Suche: Für "Holz gespalten" findet man 490'000 Treffer, für "Holz gespaltet" nur 390'000 Treffer. Beim Wortschatz-Portal der Uni Leipzig ist der Unterschied noch markanter. "Gespaltet" wird in die Häufigkeitsklasse 19 eingeteilt, "gespalten" in die Häufigkeitsklasse 13. "Gespalten" wird also viel häufiger verwendet.

Warum gibt es beide Formen?

Warum es nun "gespalten" und "gespaltet" gibt, liegt daran, dass "spalten" früher ein starkes Verb war, wie das Onlinemagazin Belles Lettres erklärt. Spalten wurde wie folgt gebeugt: spalten, spielt, gespalten. Heute aber sagt man, ich spaltete und nicht ich spielt, weshalb sich auch ein Perfektpartizip gespaltet entwickelt hat. Es gibt übrigens noch andere Verben, die sich ähnlich verhalten. So beispielsweise salzen (gesalzt oder gesalzen) und schalten (geschaltet oder geschalten).

 

  • Fazit: Holz gespaltet oder gespalten, beides ist korrekt. Aber ehrlich, Hauptsache ich friere nicht im Winter...

 

Quellen:Duden* – Richtiges und gutes Deutsch, 7. Aufl. (2011) | Spiegel | Wortschatz-Portal der Uni LeipzigBelles Lettres 
Foto: w.r.wagner / pixelio.de


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