Vogt Text

vogtext sw 3Aus dem Alltag eines Lektors

Im VogtBlog berichte ich in loser Folge über Themen, die mich bei der täglichen Arbeit beschäftigen. Sämtliche Informationen sind zur freien Verfügung.
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Vielen Dank und viel Spass bei der Lektüre!

 

So sieht der Arbeitsplatz eines Lektors aus

Seit dieser Woche ist Vogt Text mit einem Büro im Hegnerhof Kloten vertreten – Anlass für einen Blick auf den Arbeitsplatz eines Lektors.

Für die Lektoratsarbeit benötige ich keine ausgeklügelte Infrastruktur. Das Einrichten meines neuen Arbeitsplatzes in Kloten war deshalb schnell erledigt. Voraussetzung für jeden Lektor ist ein Tisch mit Stuhl. Da ich meist am PC lektoriere, schätze ich es, wenn ich ab und zu im Stehen arbeiten kann. Leider wurde mein höhenverstellbarer Schreibtisch noch nicht geliefert, weshalb ich mich aktuell mit einer Übergangslösung begnüge.

Das zweite unverzichtbare Hilfsmittel ist die Kaffeemaschine, damit ich am Morgen in die Gänge komme und am späten Abend bei Fachtexten mit 8-Punkt-Schrift, einfachem Zeilenabstand und minimalen Seitenrändern nicht einschlafe. Solche Texte sind zum Glück die Ausnahme.

Kernstück für das Lektorat ist der PC, in meinem Fall mit zwei Bildschirmen. Einen Bildschirm nutze ich als Hauptbildschirm während des Lektorierens. Der zweite Bildschirm dient für alle anderen Aufgaben, wie E-Mails lesen, auf der Dudenwebsite ein Wort nachschlagen, Themen recherchieren etc.

Wichtig ist für mich nach wie vor ein Drucker. Die Zeiten, als der Lektor zwischen Stapeln von Papiermanuskripten kaum zu sehen war, sind zwar vorbei, das viel zitierte «papierlose Büro» hat bei mir aber (noch) nicht Einzug gehalten. Texte drucke ich zum Beispiel aus, um sie nach dem Lektorat auf Papier zu überfliegen. Ich habe festgestellt, dass mir dabei Fehler im Text oder Unschönheiten beim Layout ins Auge springen, die ich auf dem Bildschirm übersehen habe.

Ich führe auch eine kleine «Bibliothek» mit Wörterbüchern, Nachschlagewerken zur deutschen Grammatik und anderer Fachliteratur, die ich heranziehe, wenn ich auf ein sprachliches Problem stosse, das ich nicht sofort lösen kann (siehe auch hier meine Top 5 bei den Nachschlagwerken zur deutschen Sprache).

Ergänzt man schliesslich die üblichen Büroutensilien wie Stifte, Papier, Locher, Bostitch und Ordner, ist der Arbeitsplatz für den modernen Lektor komplett:

Arbeitsplatz

Vokale beeinflussen die Atmosphäre im Text – Die Kunst des Schreibens 4

KunstdesSchreibens web2

Broder Christiansen erläutert im 4. Brief seiner Prosa-Schule «Die Kunst des Schreibens» aus dem Jahr 1918, wie der Klang von Wörtern sich auf die Stimmung im Text auswirkt.

So wie Farben in einem Gemälde ihre eigene Sprache sprechen – ein kühles Blau, ein beruhigendes Grün, ein flammendes Rot – kann der Klang von Wörtern eine bestimmte Stimmung transportieren. Entscheidend sind nach Christiansen die Vokale.

U und O vermitteln eine Stimmung von tiefen Tönen, von Dumpfem, von schwer Lastendem oder Bedrohlichem: vom hohen Dom der Glockenton; das Grollen des Donners. U- und O-Klänge zeugen auch von Zorn, Groll und Unmut, berichten über dunkle Wesen und plumpe Unholde.

Das I spricht von Flinkem und Kleinem (das Getrippel der Kinder, das Quieken der Maus), von Spitzem (Wipfel, Gipfel) und vom Licht (schimmern, glitzern, blinken).

Dem E spricht Christiansen eher einen neutralen Klang zu, ausser es umschliesst «harte» Konsonanten, dann wirkt es grell und laut: schmettern, bellen, Wecker.

Das A zeigt für Christiansen Aufrichtigkeit und Stärke (tapfer, standhaft) und kündigt von Bevorstehendem. Die Bibel beginnt mit einer Häufung von A («Am Anfang war das Wort ...») und der Leser ahnt, dass etwas Entscheidendes geschehen wird. Das A wirkt zudem feierlich. Auch bei der Beschreibung des Abendmahls im Bibeltext ist das A in der Überzahl: «Nahm er das Brot, dankte, brach‘s und gab‘s ihnen und sprach.» Steht das A zusammen mit Doppelkonsonanten, vermittelt es zudem einen harten Schall: knallen, schallen, prasseln.

Bewusste Lautmalerei vermeiden

Christiansen warnt vor bewusster Lautmalerei im Prosa-Text: «Bewusste Lautmalerei ist geziert und spielerisch.» Wichtig ist für ihn vielmehr, dass man sich mit dem Klang von Wörtern vertraut macht und sich ihrer unterschwelligen Wirkung bewusst wird. Gelingt dies, wird der Schreibende automatisch die richtigen Worte wählen: «Wohl aber soll der Schriftsteller sich so vertraut machen mit der Klangstimmung einzelner Lauter, dass sie ihm unbewusst und ohne Zutun einfliesse in die Schrift.»

  • Fazit: Texte vermitteln eine bestimmte Stimmung durch den Klang der verwendeten Worte. Machen Sie sich diese Wirkung bewusst, nutzen Sie dieses Wissen aber nicht für gekünstelte Lautmalerei.

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